Pädagogische Schwerpunkte

Die pädagogischen Schwerpunkte – über die wissenschaftlichen Schwerpunkte hinaus – ergeben sich aus dem derzeit gültigen Lehrplan für Chemie. Die obersten Ziele sind, den Schülerinnen und Schülern zu zeigen, dass die Chemie dazu beigetragen hat und immer noch dazu beiträgt, den Lebensstandard der Menschen zu verbessern. Kritisch betrachtet wird dabei aber auch, dass gleichzeitig mit dieser Verbesserung auch negative Auswirkungen zu verzeichnen waren.

Unmittelbar daraus ergibt sich die Forderung: Nicht nur bei der Herstellung neuer Stoffe, sondern auch beim  Gebrauch von Chemikalien für die verschiedensten Zwecke in industriellen Prozessen und im Privatbereich muss auf die Gesundheit des Menschen und auf eine möglichst geringe Beeinträchtigung der Natur geachtet werden. Dies kann bereits in der Klasse 8I vermittelt werden, indem die Arbeit mit möglichst geringen Mengen chemischer Substanzen, das Recycling und die sachgerechte Entsorgung sowie die Reinhaltung der Luft und der Gewässer thematisiert werden. In der Klasse 9I und 9II/III findet dieses Thema eine Fortführung insbesondere bei den Säuren und Laugen. Hierzu gehören auch Experimente, die von den Schülerinnen und Schülern durchgeführt werden. Dies geschieht einmal in Kleingruppen, zum anderen aber auch derart, dass zwei Schüler unter Aufsicht des Chemielehrers am Experimentiertischvor der gesamten Klasse einen Versuch vorführen. Speziell beim Experimentieren in Kleingruppen sind die Schülerinnen und Schüler mehrfach gefordert: vor allem beim Einhalten von Sicherheitsvorschriften bzgl. der verwendeten Chemikalien sowie zum Personenschutz, durch gegenseitige Rücksichtnahme am jeweiligen Arbeitsplatz und eine eindeutige Kommunikation miteinander, beim sauberen Arbeiten, bei der ordnungsgemäßen Entsorgung von Chemikalien. Insbesondere in den 10. Klassen werden über das naturwissenschaftliche Grundwissen der 8. bzw. 9. Jahrgangsstufe hinaus Themen zur Allgemeinbildung zumindest informatorisch angesprochen und gesundheitliche Aspekte betont: Der Themenschwerpunkt Alkohole erfährt insofern eine besondere Gewichtung als besonders Ethanol als Genussmittel und legalisierte Droge – die für zahlreiche gesundheitliche, aber auch soziale Probleme verantwortlich sein kann – ausführlich behandelt wird. Für die 10. Klassen der Wahlpflichtfächergruppe II/III erfährt der Lehrplan eine Ausweitung dadurch, dass nicht „entweder Fette oder Kohlenhydrate“ behandelt werden, sondern beide Stoffgruppen. Denn sowohl die Fette als auch die Kohlenhydrate sind oft Ursachen so genannter Zivilisationskrankheiten. Im Zusammenhang mit den Proteinen liegt der grundsätzliche Schwerpunkt auf der Vermittlung von Basiswissen im Hinblick auf eine ausgewogene und gesunde Ernährung. Hierfür besteht bei besonderen Themen Kontakt zum Fachbereich Haushalt und Ernährung, der mit zusätzlichen Informationen weiterhilft.

Ebenfalls ein Thema, das neben der Vermittlung chemischen Fachwissens zur Allgemeinbildung beitragen kann: Seifen und Waschmittel. Hier lässt sich die zentrale Frage bearbeiten – und auch beantworten: Muss die Waschmittelkonzentration wirklich so hoch sein, wie uns die Hersteller dieser Detergenzien vorgeben? Beim Themenbereich Kunststoffe gibt es über die chemisch-physikalischen Aspekte zwei Schwerpunkte: die Bedeutung moderner Polymere als nicht mehr wegzudenkende Werkstoffe; die Bedeutung der Langlebigkeit moderner Polymere bei deren Eintrag in die Umwelt, vor allem in den Boden und in die Gewässer. Erinnert sei exemplarisch an den „Plastikteppich“ im Nordpazifik („Great Pacific Garbage Patch“), der inzwischen die Fläche Zentraleuropas erreicht hat.

Über alle Themenbereiche hinweg sollen die Schülerinnen und Schüler angeregt werden zu reflektieren, wann Chemie nützlich ist und wann sie möglicherweise Schaden bringt. Sie sollen nicht nur zu mündigen Bürgern heranwachsen, sondern auch zu mündigen, kritischen Konsumenten.

Projekte

Generell in der 9. Jahrgangsstufe haben die Schülerinnen und Schüler Projekte eigenständig zu bearbeiten: als Powerpoint-Präsentation, als schriftliche Ausarbeitung und als möglichst frei vorgetragenes Referat. In diesem Schuljahr lautet das Thema Migration im weitesten Sinne. Darunter kann auch verstanden werden, dass ein Naturwissenschaftler wegen besserer Arbeitsbedingungen freiwillig, wegen politischer bzw. religiöser Verfolgung oder Ausweisung (Nationalsozialismus) ihre Heimat verlassen. Auch an schulischen Veranstaltungen ist der Fachbereich Chemie mit Vorführungen beteiligt. So erleben beispielsweise künftige Fünftklässler, wenn sie mit ihren Eltern am Tag der offenen Tür („Schnuppernachmittag“ die Realschule besuchen, die Faszination chemischer Experimente. Alternativ können die jüngsten Besucher auch selbst einfache Experimente durchführen. In diesem Fall werden sie von Schülerinnen und Schülern der Klassen 9 und/oder 10 betreut, die sich besonders für die Chemie interessieren. Diese Schülerinnen und Schüler werden zuvor noch einmal genau über die notwendigen Sicherheitsaspekte und Sicherheitsmaßnahmen unterwiesen und helfen, falls notwendig, auch direkt beim Experimentieren.

Exkursionen

Recherchiert man im Landkreis Neu-Ulm, gibt es nur wenige Unternehmen, bei denen eine unter naturwissenschaftlichen Aspekten geeignete Exkursion möglich ist. Unternehmen wie Ratiopharm, Ulm, und BASF, Illertissen, haben wegen ihres Portfolios strenge Richtlinien für Besucher. Ganze Klassen können schlecht durch Laborbereiche geschleust werden. Bei den bestehenden Möglichkeiten steht aber auch immer wieder die Frage nach den Kosten im Mittelpunkt, wenn eine Fahrt über eine größere Distanz gehen soll. Vorstellbar sind folgende Exkursionen (geordnet nach Priorität):

  • Besuch einer Kläranlage (Klasse 8I) während der Behandlung des Themas Wasser/Abwasser, eines Entsorgungs-/Recyclingunternehmens oder einer Müllverbrennungsanlage.

  • Besuch der Freiwilligen Feuerwehr Vöhringen (Klassen 8I/9II/III) mit Unterweisung durch die Feuerwehr über das Verhalten im Brandfall und möglichst einer Feuerlöschübung;

  • Besuch des Unternehmens Wieland in Vöhringen (Klasse 9I).

  • Besuch eines Kunststoffe verarbeitenden Unternehmens (Klassen 10I-III).