Fachschaft Kunst/Werken

Pädagogische Schwerpunkte

An oberster Stelle steht sowohl im Fach Kunsterziehung als auch im Fach Werken das praktische Tun und die selbstständige Arbeit. In einer Zeit der zunehmenden Digitalisierung des Alltags, die eine ständige Verfügbarkeit von Informationen in Schrift und Bild gewährleistet, fällt es Kindern immer schwerer, sich aus der Rolle des Konsumenten zu befreien und selbst gestalterisch oder handwerklich aktiv zu werden. Viel mehr werden in sozialen Netzwerken zwar Bildinhalte betrachtet oder auch heruntergeladen, doch das eigene Handeln, beginnend mit der Idee und Planung, über die praktische Umsetzung bis hin zum fertigen Werk und dem Stolz und der Erfüllung, die man als Persönlichkeit daraus schöpfen kann, rückt immer mehr in den Hintergrund. Daher sehen wir als Fachschaft es als immer wichtiger an, den Kindern eine Möglichkeit zu bieten, sich in praktischer und gestalterischer Weise, auch spielerisch, zu erproben und zu Wegen des ästhetischen Ausdrucks zu finden. Darüber hinaus bietet der Unterricht in Werken und Kunsterziehung ein Gegengewicht zur eher theoretischen Ausrichtung der sogenannten Lernfächer, da eine körperliche und kreative Leistung im Vordergrund steht.

Darüber hinaus sieht sich die Fachschaft in der Verantwortung, Schülerinnen und Schülern wichtige Fertigkeiten zu vermitteln, die ihnen ihr späteres Leben, privat wie auch im Beruf, erleichtern sollen. So wird im Fach Werken der fachgerechte Umgang mit Werkzeug und Werkstoff unterschiedlicher Materialbereiche besprochen und erprobt. Schülerinnen und Schüler können einen Bezug zu Material und Werkzeug herstellen und verstehen in manchen Bereichen, dass das eigene Wissen und die eigene Fertigkeit oft einen Handwerker ersparen können und Raum zur individuellen Planung und Gestaltung schaffen. Ebenso werden im Kunstunterricht praktische Fertigkeiten gefördert, wie zum Beispiel die Sachzeichnung oder eine Planskizze. Hierbei vermitteln wir die nötigen theoretischen Grundlagen, wie zum Beispiel die Regeln des perspektivischen Zeichnens oder auch die Grundlagen der Farbenlehre, die ein Heranwachsender benötigt, um sich befriedigend und absichtsvoll bildnerisch ausdrücken zu können. Und ist es nicht eine Erleichterung, wenn man im Erwachsenenalter ein bauliches Vorhaben oder eine gestalterische Absicht im Rahmen einer realistisch anmutenden Skizze veranschaulichen kann?

Ein weiterer Bereich, der in unseren Augen eine starke Berücksichtigung in unserem pädagogischen Handeln haben sollte ist die Anleitung zu sauberem und genauem Arbeiten, sowie zu Ausdauer und Konzentration. In diesem Bereich konnten wir in den vergangenen Jahren eine massive Rückentwicklung feststellen, die wiederum in einer verstärkten Konsumhaltung und einer ständigen Güterverfügbarkeit begründet ist. Es fehlt oft an der Bereitschaft, sich ausdauernd mit einem Problem zu beschäftigen oder sich mit der, unter Umständen langwierigen Durchführung einer Werkaufgabe zu befassen, da heutzutage ja alles via Internet oder anderweitig käuflich verfügbar ist. Das Bewusstsein für Qualität und damit der Zusammenhang zwischen einem hohen Preis und einem wertigen Produkt bleiben dabei oft auf der Strecke. Um mündige Schülerinnen und Schüler zu erziehen bedarf es also der Anleitung zur Selbstständigkeit, zur kritischen und genauen Betrachtung und vor allem zur Ausdauer. Speziell im Fach Werken können hierzu Grundlagen geschaffen werden, die vielleicht im späteren beruflichen Leben von Vorteil sein können. Ebenso werden das ästhetische sowie das qualitative Urteilsvermögen geschult, indem wir Werkaufgaben oder Bilder gemeinsam bewerten. Hierbei darf jeder Schüler seine Meinung äußern beziehungsweise seine gestalterische Absicht darlegen und gemeinsam wird im Plenum ein Konsens gefunden. Nicht zuletzt auch das Sprechen über ästhetische Gesichtspunkte und die Darlegung, sowie die Verteidigung der eigenen Gestaltungsabsicht wirken persönlichkeitsbildend und lassen unsere Schülerinnen und Schüler reifen.

Speziell im Fach Werken legen wir auch großen Wert auf die Vermittlung von Wissen über die Herkunft von Werkstoffen, sowie deren Gewinnung, Verwendung, Entsorgung und gegebenenfalls auch damit verbundene Umweltrisiken. Wir wollen damit eine Haltung in den Kindern hervorbringen, die einen sparsamen und verantwortungsvollen Umgang mit natürlichen Ressourcen und auch ein Bewusstsein für Recycling und Umweltschutz zur Folge hat. Ebenso gehen wir auf Gesundheitsrisiken, die mit bestimmten Werkstoffen verbunden sind, ein und verzichten in unserem Unterricht auf Werkstoffe, die im Verdacht stehen, gesundheitsschädlich zu sein. In diesem Rahmen werden selbstverständlich auch die individuellen Verletzungsrisiken bei den jeweiligen materialtypischen Werkzeugen besprochen und wir vermitteln den fachgerechten und sicheren Umgang mit eben diesen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Vermittlung eines kunstgeschichtlichen Verständnisses und damit ein Einblick in die eigene kulturgeschichtliche Herkunft. Der ästhetische Ausdruck gehörte schon seit jeher zu den menschlichen Grundbedürfnissen, was sich schon in den urzeitlichen Höhlenmalereien oder der Verzierung von Gebrauchsgegenständen oder Waffen widerspiegelte. Außerdem gilt die Kunst schon seit langem als Spiegel der Gesellschaft und des jeweils vorherrschenden Zeitgeists. Durch theoretische, sowie auch gestalterische Auseinandersetzung mit Darstellungsformen und Bildinhalten der verschiedenen kunstgeschichtlichen Epochen sollen die Schülerinnen und Schüler einen Einblick in die Entwicklung ihrer eigenen Kultur, sowie ein Verständnis für Mode, Trends und Zeitgeist entwickeln. Darüber hinaus sollen sie lernen, bildnerisches Schaffen als Weg der Meinungsäußerung und des eigenen Ausdrucks zu erfahren. In diesem Rahmen werden unter anderem visuelle Medien behandelt, im speziellen Werbung, und die Schülerinnen und Schüler lernen, wie durch geschickt und planvoll gestaltete Layouts und Konzepte Bedürfnisse geweckt, beziehungsweise gewünschte Reaktionen bei einem Betrachter hervorgerufen werden können. Auch hier steht eine Erziehung zum mündigen und kritischen Umgang mit Wort und Bild in den Medien im Vordergrund.

Unterrichtliche Besonderheiten und Projekte

Als unterrichtliche Besonderheit sehen wir den Einsatz von Computern im Kunstunterricht. Anhand der günstigen Raumsituation unserer Schule ist es uns immer wieder möglich, sowohl im Bereich der Recherche, als auch der aktiven
Gestaltung auf unsere IT-Ausstattung zurückzugreifen. Speziell im Rahmen der Logo-und Layoutgestaltung bietet dies eine hervorragende Alternative beziehungsweise eine gelungene Ergänzung zur Arbeit mit Bleistift und Papier. Darüber hinaus ist die Fachschaft immer bemüht gemeinschaftliche Projekte und Gestaltungsvorhaben umzusetzen. In diesem Rahmen wird im Lauf des Schuljahres immer wieder der Schulfamilie zugearbeitet. So werden unter anderem Dekorationen für das Schulhaus oder Kulissen für Schulveranstaltungen hergestellt. Desweiteren ist eine kontinuierliche Gestaltung des Schulhauses mit großformatigen Gemeinschaftsarbeiten und selbst gestalteten Erinnerungstafeln unserer Schulabsolventen geplant.

Auch kleinere interne Wettbewerbe finden den Weg in den Kunstunterricht. So wurde zum Beispiel aus einer Vielzahl von Schülervorschlägen ein Layout für unsere Schulkleidung gefunden und umgesetzt. Die Fachschaft Kunst/Werken versucht auch immer, im Rahmen des Lehrplans, an außerschulischen Wettbewerben teilzunehmen. So besteht auch im Moment eine Zusammenarbeit der Stadt Vöhringen mit den Kunsterziehern der ortsansässigen Schulen zur Erarbeitung eines Kunstwettbewerbs zum Thema „Meine Heimatstadt“, an dem auch die Fachschaft Kunst der Staatlichen Realschule Vöhringen mitwirken wird.

Exkursionen

Exkursionen stehen bei der Fachschaft Kunst/Werken nicht an oberster Stelle. Zum einen werden an unserer Schule auch bei Wandertagen die relevanten regionalen kunsthistorischen Stätten besucht. Zum anderen ziehen wir die eigene praktische Arbeit einem „Fahrtenaktionismus“ vor. Die Fachschaft steht künstlerischen Exkursionen grundsätzlich offen gegenüber, wenn sich regionale Angebote mit dem damit verbundenen Aufwand und dem Unterrichtsausfall vereinbaren lassen.

Veranstaltungen über den Unterricht hinaus

Über den Unterricht hinaus gab es bisher Arbeitsgemeinschaften für Schüler, die in handwerklicher oder gestalterischer Weise der Schulspiel AG zuarbeiten wollten. Außerdem nehmen wir, wenn es der zeitliche Rahmen zulässt, am Projekt „Technik und Ich“ der Freiwilligenagentur des Landkreises Neu-Ulm teil, in dem eine Gruppe von interessierten Schülern sich einem Projektthema stellen kann und dabei von einem Werklehrer und einem Technikpaten aus dem lokalen Handwerk unterstützt werden.