Neuigkeiten aus unserem Schulleben

Spielend Französisch lernen

14.12.2017 | 08:56 von Webmaster
Bei vielen Schülern ist die Sprache des Nachbarlandes nicht mehr populär. Die 26 Jahre alte Marie Quémerais versucht, das zu ändern. Dafür ist sie mit ihrem France Mobil unterwegs – auch in Vöhringen

Von Ursula Katharina Balken

Vöhringen Auf dem Boden des Musiksaals der Realschule in Vöhringen liegen bunte Karten mit verschiedenen Motiven. Aus dem Laptop sind französische Lieder zu hören. Plötzlich stürzen sich Mädchen und Buben aus der 6. Klasse auf die Bilder und halten sie stolz in die Höhe. Was aussieht wie ein fröhliches Gesellschaftsspiel, ist in Wirklichkeit Französisch-Unterricht auf eine andere Art, wie Marie Quémerais ihn praktiziert.

Marie, wie die Schüler sie nur nennen, ist 26 Jahre alt, kommt aus der Bretagne und ist Lektorin. Sie ist mit ihrem France Mobil, einem kleinen Lieferwagen, unterwegs und versucht auf ungewöhnliche Weise Interesse für die französische Sprache zu wecken. „Es ist ja allgemein bekannt, dass das Interesse in Deutschland und Frankreich jeweils die andere Sprache zu erlernen, rückläufig ist“, sagt sie. Keine gute Entwicklung, sagen Experten, denn beide Länder üben Schulterschluss in der Europäischen Union. Mehr noch: Sie sind die Säulen der EU. Das sieht auch Özge Kirbas so, die in der Realschule Englisch und Französisch unterrichtet. Sie hat Marie nach Vöhringen eingeladen und damit bei Direktor Oliver Eschenbach offene Türen eingerannt. Denn auch er weiß vom Trend, sich statt der französischen Sprache der spanischen zuzuwenden.

Zwölf Lektorinnen reisen derzeit mit ihrem Renault Kangoo durch Deutschland. In fließendem Deutsch erklärt Marie im Gespräch, wie sie versucht das Vorurteil abzubauen, Französisch sei eine elitäre Sprache. Wenngleich sie auch einräumt, dass die Grammatik schwierig sei. Aber lachend führt sie an, dass die deutsche Sprache auch ihre grammatikalischen Tücken hat.

Ihre Methode, Sechstklässler mit der Sprache vertraut zu machen, erscheint anfangs kurios: Marie spricht in der Klasse nur Französisch, obwohl sie weiß, dass keines der Kinder sie versteht. Sie will die Schüler an den Klang der Sprache gewöhnen, zeigt Karten, auf denen Alltagsgegenstände abgebildet sind. Sie benennt die Motive auf Französisch, lässt die Schüler die Ausdrücke wiederholen und verteilt die bunten Bilder auf dem Boden. Dann lässt sie französische Lieder aus ihrem Laptop erklingen und hofft, dass einzelne Worte den Kindern bekannt vorkommen. Und tatsächlich: Als im Text das Wort „la rose“ zu erkennen ist, stürzen sich die Schüler auf die Karten, um das Bild mit der Rose zu ergattern.

Das Programm France Mobil wurde im Jahr 2002 von der Robert-Bosch-Stiftung, des deutsch-französischen Jugendwerks und des Institut Français ins Leben gerufen. Die Anfrage sei groß, sagt Marie. „100 Schulen stehen auf der Warteliste.“ Auch an der Realschule in Babenhausen machte das Mobil bereits Halt.

Warum Spanisch bei immer mehr Schülern gefragt ist, vermag Marie nicht exakt zu begründen. Sie glaubt, viele Schüler entscheiden sich für diese Sprache, weil sie glauben, sie sei leichter zu lernen. „Am Anfang mag das so aussehen. Aber die spanische Grammatik und Aussprache haben es ebenfalls in sich.“

Angesteuert mit dem France Mobil werden Kindergärten, Grund- und Realschulen sowie Gymnasien. In Bayern hat Marie Quémerais übrigens eine Entdeckung gemacht: „Hier wird viel Latein gelernt.“ Das sei löblich, weil viele Worte in den romanischen Sprachen aus dem Latein abgeleitet sind. Aber Französisch sei wichtig, vor allem wegen der Partnerschaft der Länder Frankreich und Deutschland. Sagt’s und steigt in ihren Kangoo, um in Wasserburg am Inn wieder einen Stopp einzulegen.

 

Karten lesen einmal anders. Die Begriffe auf den Bildern wiederholen die Schüler auf Französisch, so wie sie ihnen Marie (Bildmitte) vorspricht. Rechts im Bild: Özge Kirbas, Lehrerin für Französisch und Englisch an der Realschule Vöhringen.

 

Foto: Balken

Zurück